Was ist Kickboxen?
Spannung und Action
Kickboxen ist das Resultat einer Verschmelzung der besten ostasiatischen Kampfkünste mit westlichem Streben nach fairem Wettkampf.
Angefangen hat alles vor ca. 30 Jahren, als amerikanische Elitesoldaten in Korea und Vietnam Karate und Taekwondo entdeckten. Zuhause in den USA begann ein wahrer Boom für die waffenlosen Budosportarten. Als später der Schauspieler Bruce Lee mit seinen spektakulären Kampfszenen die Kinowelt eroberte, wollte jeder so kämpfen können wie er. Nach Lees Vorschlag wurde eine neuartige Schutzausrüstung für Hände und Füße entwickelt, das „Safety Equipment“.
Die Grundlage für den Siegeszug des Sportkarate, wie man das Kickboxen früher nannte, war gelegt. Von Amerika aus verbreitete sich der neue, spektakuläre Sport nach Deutschland und schließlich über die ganze Welt.
In der Zeit des großen Aufschwungs von 1950-1960, gründeten hartgesottene ehemalige Militärangehörige, von denen viele nach Ende des Zweiten Weltkrieges und während des Vietnamkrieges im Orient ausgebildet worden waren, und kampflustige asiatische Einwanderer die ersten Kampfkunstschulen Amerikas. Für dieses Unterfangen und um den ständigen physischen Herausforderungen der Skeptiker gegenübertreten zu können, waren sie gezwungen, so etwas wie Kickhelden zu werden - das moderne Gegenstück zu den Revolverhelden des Wilden Westens. Es war an der Tagesordnung, dass verhasste Störenfriede, die testen wollten, ob das Ganze wirklich funktioniert, in eine Kampfkunstschule marschierten, den Unterricht unterbrachen und den Trainer herausforderten. Das alles war oft eine modische, wenn auch sehr blutige Angelegenheit. Trotz allem entbehrte es nicht dem Grundgedanken von sportlichem Wettkampf und so kam es 1963 in Chicago zu den ersten großen Weltmeisterschaften im Punktkämpfen. Anders als in den bis dahin bekannten Turnieren im Taekwondo oder traditionellen Karate, wurden die Techniken nicht kurz vor dem Auftreffen abgestoppt, sondern es war erlaubt leicht zu treffen - das so genannte "POINTFIGHTING" war geboren.
Jetzt hatte man die Möglichkeit, die Wirksamkeit der Techniken tatsächlich zu prüfen, doch die Pioniere der damaligen Zeit wollten mehr. Sie wollten Vollkontakt, die ultimative Testform für die Effektivität der Kampfkünste. Egal ob Kung Fu, Taekwondo, Karate, Tangsodo, alle behaupteten, sie hätten die besten Techniken - keiner konnte jedoch im Wettkampf den Beweis antreten.
Es dauerte bis 1970 als tatsächlich der erste Vollkontaktkampf stattfand, das man damals als „amerikanisches Kickboxen“ bezeichnete. Barfüssig und mit Boxhandschuhen knockte der Ami Joe Lewis seinen Landsmann Greg Baines in Long Beach aus.
Es dauerte noch bis 1973 bis der Grundstein für das heutige Kickboxen tatsächlich gelegt wurde. Der ehemalige Karatefighter Mike Anderson aus Dallas hatte eine Vision von einem neuen Kampfsport, für die er alle Sportler begeistern wollte: das Semikontakt. In der Zwischenzeit hatte er zusammen mit dem Schauspieler Bruce Lee eine neuartige Schutzausrüstung aus Schaumstoff entwickelt, das „Jhoon Rhee Safety Equipment“. Hiermit wurde bei den Top Ten Nationals in Texas zum ersten Mal so gekämpft, wie man es heute kennt.
Anderson war damals Verleger der Fachzeitschrift „Professional Karate“ und zog alle Register um den Sport populär zu machen. Die Sieger seiner Turniere erhielten hohe Geldpreise. Ein Jahr darauf kam der große Durchbruch. Vor 15.000 Zuschauern fand in der Los Angeles Sportarena die erste Profi-Weltmeisterschaft im "Fullcontact Karate" statt. Bill "Superfoot" Wallace, Joe Lewis, Isaias Duenas und Jeff Smith wurden als Stars eines neuen spektakulären Stils gefeiert.
Die Veranstaltung wurde weltweit im TV übertragen, am Ring saß hochkarätige Hollywood Prominenz.
Während in den USA ein Boom für die Profis begann, orientierte man sich in Europa anders.
Als 1976 in Paris ein Vergleichskampf zwischen den besten europäischen und amerikanischen Fightern stattfand, musste man sich eingestehen, dass die Europäer nicht mithalten konnten. Aus der euphorisch gegründeten „World Martial Arts Association“ wurde ein Jahr später die „World All-Style Karate Organisation“, kurz WAKO.
Die Gründer Georg F. Brückner (Berlin) und Mike Anderson (USA) sowie ihre Kollegen aus anderen Ländern, sahen großen bedarf für einen soliden Amateurverband, der als Grundstein für eine ausgewogene Leistungsdichte dienen sollte. In einigen deutschen Bundesländern wird Kickboxen bereits von den Landessportbunden anerkannt und öffentlich gefördert.
1963-67
1963 fanden in Chicago die ersten Semikontakt Meisterschaften statt. Anstelle vor dem Auftreffen einer Technik, wurde zum Kopf leichter Kontakt erlaubt. Zum Körper zogen die Fighter voll durch, obwohl auch hier nur leichter Kontakt gestattet war. Es galt als eine Stärke, die harten Treffer einzustecken. Danach fanden in den USA zahlreiche Turniere nach gleichem Muster statt.
1968-69
Chuck Norris, Bob Wall, Skipper Mullins, Allen Sten u.v.a. waren die neuen Helden des "Pointfighting", einer Art Mischform aus Karate und dem Semikontakt, wie wir es heute kennen. Oft kamen mehrere tausend Zuschauer zu solchen Turnieren. Der Berliner Georg Brückner reiste ständig zu den Turnieren in die USA und importierte diesen Sport später nach Europa.
1970-73
1970 fand in Long Beach, USA, der erste Vollkontaktkampf statt. Damals gab es jedoch keine Schutzausrüstung, wie wir sie heute kennen, lediglich Boxhandschuhe waren vorhanden. Der Schauspieler Bruce Lee engagierte sich besonders für die Entwicklung einer solchen Ausrüstung, denn er war ein großer Freund von stilübergreifenden Wettkämpfen.
Die traditionellen Wettkämpfe bezeichnete er als „Trockenschwimmen“. Der Verleger der US-Fachzeitschrift „Professional Karate“ Mike Anderson führte 1973 das neue „Safety Equipment“ von Jhoon Rhee bei seinem Preisgeldturnier „Top Ten Nationals“ in Dallas ein. Der Siegeszug der großen amerikanischen Semikontakt Turniere hatte begonnen. Traditionelle Turniere ohne Schutzausrüstung verloren an Bedeutung.
1974
Das wichtigste Jahr für das Vollkontakt. Nach Ausscheidungsturnieren in Europa ging es im September in Los Angeles, USA, zur ersten Fullcontact-WM der PKA vor ausverkauftem Haus zur Sache. Weltweite TV-Übertragungen ließen das Fullcontact über Nacht zum Kampfsport Nummer eins avancieren.
1975-76
Die ersten Großveranstaltungen in Europa und Amerika feiern die neuen Helden wie Bill Wallace, Dominique Valera, Jeff Smith. In Berlin findet in der Deutschlandhalle der erste Vollkontakt-WM-Kampf in Europa zwischen Ramon Smith und Gordon Franks statt. Tagsüber kämpfen erstmals die europäischen Schwarzgurte mit den neuen Safeties. Im Abendprogramm mit dabei: Bill „Superfoot“ Wallace.
1977-79
Der neu gegründete Amateurverband WAKO bestimmt in Europa das Wettkampfgeschehen, in den USA wetteifern die Profi-Organisationen PKA und WKA um Einschaltquoten im TV. Neben dem Vollkontakt entwickelt sich langsam eine große Bewegung für das Semikontakt. Die ersten internationalen Stars im Semikontakt sind der Amerikaner Daryll Tyler und der Deutsche Harald Edel.
1980-84
Das Kickboxen wächst zunehmend. Immer mehr Nationen nehmen an den internationalen Wettkämpfen in Mailand, Berlin, London, Basel und Bremen teil. Sogar Europameisterschaften für Junioren finden statt.
1985-86
Die schwarzen Jahre der WAKO. Der Verband teilt sich in zwei Teile. Auf der einen Seite die Deutschen und Amerikaner um Mike Anderson und Georg Brückner, auf der anderen Seite der Italiener Ennio Falsoni mit Unterstützung von Geert Lemmens (D) und Peter Land (A). Beide Teilverbände richten dennoch Europa- und Weltmeisterschaften aus.
1987
Der gespaltene Verband vereinigt sich wieder. Vor 15.000 Zuschauern findet in der Münchener Olympiahalle an zwei Tagen die größte WM der WAKO statt. Erstmals mit dabei: Formen (Musikkata). Der Kanadier Jean Frenette wird mit rasendem Beifall als Star der Veranstaltung bejubelt und erlangt dadurch Weltruhm.
seit 1988
Die Kickboxverbände werden immer stärker. Von ursprünglich gut einem Dutzend Nationen schnellen die Mitgliederzahlen auf über 80 Länder empor. Vor allem die ehemaligen Ostblocknationen setzten sich durch. Bereits 1990 wird Polen zur stärksten Nation im Vollkontakt und stellt seitdem regelmäßig Welt- und Europameister. Neben Formen, Semi- und Vollkontakt wird 1990 Leichtkontakt (Durchkämpfen) in den internationalen Sportplan aufgenommen. 1993 kommt Low-Kick hinzu, 1997 Thaiboxen. Seit 1993 werden die Weltmeisterschaften auf zwei Turniere verteilt um den Ansturm von bis zu 2.000 qualifizierten Landesbesten zu bewältigen.
Viele ehemalige WAKO Champions starten eine erfolgreiche Karriere als Profi: Branko Cikatic, Michael Kuhr, Jerome Canabate, Franz Haller, Marek Piotrowski, u.v.a. Andere Champions steigen ins Filmgeschäft ein: Christine-Bannon Rodriguez, Jean Frenette, Mike Bernardo, u.a. Dazu gibt es auch Querverbindungen zum Boxsport: Mit Vitaly Klitchko (Ukraine) Troy Dorsey (USA) und Khalid Rahilou (Frankreich) erkämpfen sich drei ehemalige WAKO-Weltmeister WM-Gürtel im Profiboxen und verdienen heute mit ihren Fights Millionen.
Neben dem klassischen Amateurverband offeriert die WAKO-PRO ihren Sportlern unter gleichen Regeln Profikämpfe zu bestreiten. Jede Woche finden in allen Disziplinen Meisterschaften rund um den Globus statt.
1978 – 2003
Österreich geht von 1978 bis 2003 als erfolgreichste Amateur - Kickboxnation hervor. Die Österreicher erreichen in dieser Zeit mehr als doppelt so viele Goldmedaillen als die zweitplazierte Nation. Es gibt international nur zwei Sportrichtungen, die die Österreicher eindeutig beherrschen: Ski alpin und Kickboxen.
Heute...
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass das regelmäßige Kickboxtraining fast sämtliche Bereiche der Kondition abdeckt (sowohl physische als auch psychische). Kickboxen wird in den Sportvergütungsklassen mit Bodenturnen und Leistungsschwimmen an erster Stelle gehandelt. Viele Hollywoodstars und Sportler, die in anderen Disziplinen erfolgreich sind, nehmen an Kickboxtrainingseinheiten teil.
Folgenden Amateur - Kampfsportverbände veranstalten in Österreich Kickboxmeisterschaften:
WKA (World Kickboxing and Karate Association) - Semi-, Leicht- und Vollkontakt, Lowkick und Thaiboxen - Amateure und Profis
WAKO (World Amateur Kickbox Organization) - Leicht- und Vollkontakt
IAKSA (International Amateur Kickboxing Sport Association) - kleiner Verband -Semi-, Leicht- und Vollkontakt
IASKA (International Sport Kickboxing Association) - größter internationaler Verband für Amateur & Profikickboxen